Da saßen die Journalisten, Fotografen und Kamerateams bei der Pressekonferenz des FC Bayern im Medienraum des Vereinsgeländes an der Säbener Straße beisammen.Sportdirektor Sammer stellte die Stärken der Neuzugänge Costa und Kimmich in lebhaften Bildern vor, doch irgendwie beschlich den Zuschauer das Gefühl, dass diese Begeisterung einzig von dem Bayern-Verantwortlichen gelebt wurde.Viel mehr bewegte die dortigen Pressevertreter die Personalie Bastian Schweinsteiger, der Weltmeister, das Gesicht nicht nur eines Vereins, eines der Gesichter der Bundesliga und des gesamten Fußball-Deutschlands. Alles wartete auf eine Stellungnahme von Rumenigge zu den hartnäckigen Gerüchten und er ließ die Bombe platzen, der Bayern-Fixpunkt verlässt den FC Bayern und geht fortan in England im Old Trafford auf Titeljagd. Welche sportliche Rolle Schweinsteiger im Konkurrenzkampf in England spielen wird, warum die Münchener eines ihrer Gesichter abgeben und wie die Zukunft beider Vereine aussehen könnte, liest du im heutigen Artikel.

Mit dem 30-jährigen Bayern-Urgestein Bastian Schweinsteiger verpflichten die Red Devils einen erfahrenen, passstarken Führungsspieler, der sowohl im Vereinsfußball als auch auf Verbandsebene mit unzähligen Meistertiteln, Champions-League Triumph und natürlich dem WM-Titel einen wahren Titelsammler darstellt. Geboren in Kolbermoor, aufgewachsen in Oberaudorf ging er mit 13 Jahren zu den Bayern-Junioren und der 1,83m große zentrale Mittelfeldspieler blieb bis zum heutigen Tage dort. Nun wagt der 111-fache deutsche Nationalspieler einen Schritt ins Ausland, seinem ersten Schritt fernab des wohlbehüteten heimischen Nestes, der bei dem Großteil der Bayern-Fans auf blankes Entsetzen stößt.

Sportliche Rolle

Über den immensen sportlichen Wert von Schweinsteiger in der Vergangenheit braucht man nicht zu diskutieren, da er spätestens in seinem Leistungszenit beim Champions-League-Titel 2013 mit Martinez ein kongeniales Duo bildete und als starker Ballverteiler und Aufbauspieler im Zentrum brillierte. Insbesondere in letzten beiden Jahren agierte Schweinsteiger jedoch am körperlichen Limit und man hatte immer häufiger den Eindruck, dass er seiner langen Karriere und seinem unbändigen Ehrgeiz langsam Tribut zollen musste. Die Verletzungspausen nahmen zu, das Umschaltspiel langsamer und es schlichen sich immer häufiger kurze Verlegenheitspässe ins Spiel ein, auch wenn an seinem sportlichen Standing nicht gerüttelt wurde. Zwar sucht Schweinsteiger jetzt bewusst eine neue Herausforderung und will einen neuen Kulturkreis kennenlernen, doch beugt er auch einer möglichen Demontage von Trainer Guardiola vor, da das Gedränge im zentralen Mittelfeld sowohl mit erfahrenen Spielern wie Alonso, Lahm, mittelalten Spielern wie Thiago, Alaba und Rode, sowie den jungen Spielern wie Kimmich, Höjbjerg und Gaudino, höchstwahrscheinlich seine bisherige unantastbare Rolle stark gefährdet gewesen wäre. Schweinsteigers „Denkmal“ bleibt also weiter erhalten und alle Seiten wahren das Gesicht, indem man Schweinsteigers Wechselwunsch nachgeht. Bayern entzerrt die Altersstruktur im Kader und beugt außerdem auch einem möglichen Krisenherd vor, bei der Schweinsteiger auf der Bank sitzen würde und Unruhe in das Fanumfeld bringen würde. Außerdem kann sich das Bayern-Eigengewächs auch im Hinblick auf die EM 2016 mit erwartet höheren Spielanteilen bei den Red Devils besser für einen Stammplatz in Frankreich empfehlen.

Bei Manchester United und seinem Ex-Trainer Louis van Gaal wird der zentrale Mittelfeldspieler hauptsächlich im defensiven Mittelfeld eingeplant, eine Rolle, die Schweinsteiger einst bei van Gaal lernen durfte, als er den damaligen Außenbahnspieler ins Zentrum zog, wo er unter ihm und Heynckes zum Weltklassespieler reifte. Auf dieser defensiven Mittelfeldposition trifft er hauptsächlich auf den Engländer Michael Carrick, einem mit Rooney, der letzten verbliebenden erfahrenden Führungsspieler im sonst zwar hochtalentierten Kader voller Indianer ohne wirkliche Häuptlinge ist. Zur weiteren Konkurrenz zählen außerdem Herrera, Fellaini und Blind, doch während die ersten beiden Spieler offensiver angeordnet sind, soll Blind häufiger auf der linken defensiven Außenbahn das Duell mit Luke Shaw suchen. Besonders Fellaini gilt im Umfeld als Millionenmissverständnis von Ex-Trainer Moyes, der nie wirklich das erforderliche gehobene Niveau im Zentrum darstellen konnte.Schweinsteiger besitzt alleine aufgrund seines Siegergens, seiner fußballerischen Qualität und Erfahrung, sowie dem Vertrauen seines holländischen Vertrauten van Gaal auf der ManU-Trainerbank einen gewissen Vertrauensvorschuss und dürfte sich zum Start einen Platz in der Stammformation sichern. Er behebt das Führungsspieler-Vakuum in der zentralen Achse und ist auch insbesondere nach den Abgängen der letzten Zeit von Van Persie, Vidic, Scholes, Ferdinand usw., ein Spieler der die teils blutjunge Truppe nicht jahrelang antreiben wird, aber kurz-bis mittelfristig United stark helfen dürfte.  Mittelfristig wird abzuwarten sein, ob sein Körper die gestiegenen physischen Anforderungen der Premier League gerecht werden kann, da häufige Verletzungspausen schon in der Bundesliga ein Problem darstellten und mit den vielen körperbetonten Spielen ohne Winterpause nicht weniger werden dürften. Außerdem monieren einige United-Fans, dass man nicht sportlich nachhaltig agiere und wünschen zusätzlich zu diesem Transfer noch Schneiderlin (Southampton), dessen mögliche Verpflichtung sich auch deutlich auf die Einsatzzeiten des Bayers auswirken dürfte, da beide einen ähnlichen Spielstil pfegen und Schneiderlin einen der Top-Spieler auf dieser Positon in England darstellt.

Fazit

Insgesamt verliert der FC Bayern mehr als nur einer der herausragenden Figuren der deutschen Fußballgeschichte, sondern auch einen Fanliebling, der diesen Verein und deren Ideale verkörpert und personifiziert wie sonst nur Thomas Müller. Dies hinterlässt bei vielen Fans tiefe Furchen der Trauer, doch rein sportlich gesehen muss man festhalten, dass es wohl das beste Szenario geboten hat. Bei Manchester United kann er jetzt unter seinem Förderer van Gaal in eine neue Kultur und Liga eintauchen, sowie in seinen letzten Jahren als Führungsspieler Spielpraxis bei einem der besten Clubs der Welt sammeln, der Schweinsteiger mit einem angeblichen umgerechneten jährlichen Salär von 7,4 Millionen Euro auch finanziell versüßt wird. Die Bayern bekommen für einen fast 31-jährigen Spieler eine hohe Ablösesumme, entzerren das Gedränge im zentralen Mittelfeld und beugen einer möglicherweise für alle Seiten unbefriedigenden neuen Spielzeit vor. Die Bundesliga verliert eines ihrer Gesichter und auch die Journalisten, die bis eben noch im Presseraum der Münchener standen, brauchen ein neues Gesprächsthema. Costa? Kimmich? Sichrlich gute Spieler, aber der Mythos Schweinsteiger wird noch einige Zeit weiter über dem Verein schweben.

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