Die Leidenschaft Fußball packt die meisten Leute von uns bereits in frühesten Kindheitstagen und irgendwo bei den Stehplätzen des alten Berliner Olympiastadions stand Nico Schulz vermutlich inmitten der lautstarken Fans, klitschnass durch zahlreiche geworfene Bierbecher mit Currywurstduft in der Nase und versuchte auf Zehenspitzen einen Blick aufs Spielfeld zu erhaschen und seinen Verein zu supporten. Wie für viele Jungen in diesem Alter stand dann die entscheidende Frage im Raum: Möchte ich Fußballer, Feuerwehrmann oder vielleicht doch Astronaut zu werden? Schulz schaffte den Sprung von den Fanrängen auf den Rasen seines Lieblingsvereines, entwickelte sich als Eigengewächs zu einer wichtigen Figur bei der Hertha, doch wagt jetzt nach 15 Jahren den Wechsel nach Gladbach. Was Nico Schulz dort erwartet, was seinen Spielertyp und Spielstil ausmacht und vieles mehr, liest du im heutigen Artikel.

Sportliche Vergangenheit

 

Der 22-jährige Nico Schulz schloss sich bereits im Alter von sieben Jahren Hertha BSC an und durchlief seine gesamte Jugendzeit bei den Berlinern, bis er im Alter von blutjungen 17 Jahren sein Debüt bei den Profis 2010 unter Trainer Markus Babbel gab. Ein Stern der schnell leuchte, jedoch in seiner ersten Saison im Herrenbereich noch mit der Rolle des Kader-und Ergänzungsspielers vorgesehen war. Als Linksverteidiger mit großer Dynamik, spielte sich der gebürtige Berliner jedoch in den folgenden Jahren  schnell ins Team und trat als Eigengewächs in die Fußstapfen der Spielergeneration um die Boateng-Brüder, Ebert, Dejagah und Co. . In der letzten Spielzeit hat der 12-fache U21-Nationalspieler in 28 Bundesligaeinsätzen als linker Veteidiger und Mittelfeldspieler überzeugt, doch sucht jetzt für eine Ablösesumme von geschätzten 3-4 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre in Gladbach eine neue Herausforderung. Dardai wartete also vergeblich auf ein Bekenntnis und setzt jetzt wie ohnehin geplant auf Stammspieler Plattenhardt und den hochtalentierten Mittelstädt als Back-Up, der mit seiner starken Ballbehandlung und ausgeprägten Technik, sowie Torgefahr von Insidern als Hoffnung gesehen wird und Manager Preetz kann nun mit volleren Taschen die Stürmersuche forcieren.

 
Spielertyp/ Stärken+Schwächen

Nico Schulz besticht in erster Linie durch seine stark ausgeprägte Physis, bei der mit viel Geschwindigkeit und seiner Sprintstärke, wie beispielsweise am 1.Spieltag gegen Augsburg, die linke Außenbahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 34,3 km/h beackert. Trotz seiner jungen 22 Jahre verfügt Schulz über eine große Erfahrung, bei der er außerdem auch in zahlreichen Juniorennationalmannschaften als Stammspieler wertvolle internationale Erfahrung sammeln konnte. Schulz ist in erster Linie Linksverteidiger, aber durch seinen stark ausgeprägten Offensivdrang ist er vom Naturell eher als LA zu sehen, aber da variabel auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist, kann er auch notfalls im defensiven Mittelfeld agieren. Zu seinen Schwächen gehören sicherlich sein Stellungsspiel im Defensivverhalten, sowie die Effektivität in seinen Offensivaktionen, da es ihm dort momentan an der Qualität der Flanken und dem Zug zum Tor etwas hapert, aber aufgrund seines Potenzials durchaus noch Entwicklungspotenzial besteht. Manche Berliner Fans bemängeln außerdem noch gewisse technische Schwierigkeiten, jedoch waren in dieser Hinsicht bei der U21-EM schon eindeutige Verbesserungen zu sehen. Auf jeden Fall noch einige Verbesserungspotenziale auf Top-Niveau um seinem eigenen Idol, Paolo Maldini, etwas nacheifern zu wollen.
Neue sportliche Situation

Borussia Mönchengladbach qualifizierte sich letztlich souverän direkt für die Champions-League und Trainer Favre hält auch in der neuen Saison weiter an seinem 4-2-2-1-1 Systen fest, bei der letzte Saison besonders die Defensive mit den zwei kompakten, Raum verengenden Viererketten im Spiel gegen den Ball, mit den zweitwenigsten Gegentoren für Sicherheit und Konstanz sorgte. Der Start ging gegen Borussia Dortmund in die Hose und auch in der Verteidigung fehlen nach den Ausfällen von Stranzl und Alvaro Dominguez neben Jantschke und Daems noch verässliche Stützen im hochtalentierten, aber auch noch unerfahrenden Talentepool um Christensen, Schulz und Elvedi.

Erfahrung die Schulz mitbringt und und bei den Gladbachern wird der Berliner vorwiegend als Linksverteidiger eingeplant und soll dort die zurzeit vakante Planstelle als Konkurrent für Wendt bekleiden, da Dominguez noch für unbestimmte Zeit wegen Rückenproblemen ausfällt. Durch seine Polyvalenz ist Schulz auch im linken Mittelfeld einsetzbar und es ergeben sich durch die Verletzung von Johnson durchaus schon kurzfristig Einsatzchancen. Vom Naturell ähneln sich Johnson und Schulz, doch im Vergleich zu Hauptkonkurrenz Wendt ist Schulz weitaus dynamischer, wenn auch defensiv anfälliger, sodass Wendt in wichtigen Spielen der Champions-League den Vorrang bekommen sollte. Durch die vielen Spiele wird Favre jedoch wie bereits häufig praktiziert, rotieren müssen und wichtigen Stützen Auszeiten gönnen, sodass Schulz durchaus zu Spielpraxis kommt und als bundesligaerfahrene Defensivkraft bereits nachgewiesen hat, Bundesliga-Niveau zu besitzen.Für die nächsten drei Jahre ist Gladbach zumindest qualitativ und quantitativ auf der linken defensiven Außenbahn besetzt und man schließt diese Kaderlücke.
Fazit

Junge, deutsche Außenverteidiger mit Erfahrung sind rar gesät und mit Schulz angeln sich die Fohlen einen Leistungsträger der U21-Nationalmannschaft, der jedoch zunächst eher eine Verstärkung für die Kaderbreite als für die Kaderspitze darstellt. Unter Trainer Favre bieten sich in einer taktisch und sportlich anspruchsvollen Mannschaft zumindest beste Vorraussetzungen den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen und insbesondere an seinen momentanen Defiziten zu pfeilen. Die gehandelte Ablösesumme ist ein fairer Preis und man darf gespannt sein wie die weitere Entwicklung von Schulz und insgesamt der hochtalentierten Gladbacher Talente verlaufen wird. Irgendwo werden dann auch in Zukunft inmitten der Stehlatzränge viele Augenpaare von Kindern mit ihren Ellenbogen um einen guten Blick aufs Spielfeld kämpfen. Feuerwehrmann, Astronaut, Fußballer… zumindest für Schulz war es vermutlich die richtige Entscheidung.

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