Quo vadis, Schalke? Die bisherige Saison gleicht wieder einem Auf und Ab: In der Hinrunde folgte einem starken Saisonauftakt eine Serie mit schwachen Ergebnissen. Auch in der Rückrunde kommt bisher keine Konstanz rein: Einer überraschenden Heimniederlage gegen Bremen folgten zwei Siege und eine Niederlage in Mainz. Was das mit dem Wintertrainingslager und den neuen Spielern zu tun hat und wie die Aussichten sind, steht im heutigen Round-Up.

 

Wie lief die Vorbereitung?

Zum vierten Mal reisten die Königsblauen zum Trainingslager nach Orlando in Florida. Ebenso wie andere Trainingslagerorte war auch dieser wegen seiner optimalen Wetter- und Trainingsbedingungen ausgewählt worden. Während die Profis also eine gute Form für die Rückrunde erreichen sollten, konnten sie dies in den Testspielen aber noch nicht unter Beweis stellen: beim Florida Cup folgte einem 2:0 gegen die Fort Lauderdale Strikers ein ernüchterndes 0:3 gegen Atletico Mineiro. Hinzu kam einige Tage später noch ein 0:1 gegen Arminia Bielefeld, das für den Rückrundenauftakt auch keine Euphorie auslöste. Die Mannschaft schien sich im Trainingslager nicht allzu sehr weiterentwickelt zu haben.

Einen klassischen Gewinner der Vorbereitung gibt es nicht. Jedoch dürfte Leroy Sané seine derzeitige Rolle als Schlüsselspieler in der Offensive aufrechterhalten haben und wird weiter einen Stammplatz besitzen.

Einer der Verlierer ist zweifelsohne Franco di Santo. Stärkte ihm Trainer André Breitenreiter in der Hinrunde noch trotz schwacher Torquote den Rücken, scheint nun Schluss mit lustig zu sein. Di Santo durfte in den bisherigen vier Rückrundenspielen nur in zweien ran und das für gerade einmal 20 Minuten. Unglücklich lief es auch für Benedikt Höwedes. Der Kapitän zog sich eine Sehnenverletzung zu und fehlt nun bis zu drei Monate. Hinzu kamen dann nach dem 1:3 zum Rückrundenauftakt gegen Bremen noch Gerüchte um Trainer André Breitenreiter: sein Verhältnis zu einzelnen Spielern, insbesondere Max Meyer, sei schlecht und ebenso seine Trainingsmethodik.

 

Was tat sich personell?

Im offensiven und im zentralen Mittelfeld wollte man im Winter nachlegen und zumindest im ersten Fall hat dies geklappt. Younès Belhanda wurde von Dynamo Kiew bis Saisonende ausgeliehen, Alessandro Schöpf für rund fünf Millionen Euro aus Nürnberg verpflichtet. Beide sind technisch gut und haben das Potenzial, das Schalker Offensivspiel anzukurbeln und den Konkurrenzkampf zu beleben. Belhanda spielte am Freitag gegen Mainz zum ersten Mal über die volle Distanz, konnte auch sogleich mit seinem ersten Tor glänzen. Schöpf gelang dies schon im Spiel zuvor, als er mit seinem 3:0 gegen Wolfsburg den Endstand markierte. Allerdings blieb er bisher bei deutlich weniger Einsatzminuten. Trotzdem ist er genau wie Belhanda als sinnvolle Verstärkung zu sehen, beide können im Verlaufe der Saison mit der Doppelbelastung aus Bundesliga und Europa League noch wichtig werden. Da sie aber noch nicht lange zum Kader gehören, konnten sie natürlich noch nicht allzu großen Einfluss auf die Mannschaftsleistung ausüben.

Auch im zentralen Mittelfeld hatten die Schalker Verantwortlichen noch einen Spieler verpflichten wollen. Dem jungen Gespann Geis/Goretzka sollte vor allem ein erfahrener Akteur zur Seite gestellt werden. Die Verhandlungen mit Gökhan Inler scheiterten jedoch und eine passende Alternative konnte nicht gefunden werden.

 

Spielerische Ausrichtung in der Rückrunde

Ziel von Schalke muss es sein, unter anderem wieder mehr Kreativität in das eigene Spiel zu bekommen. Besonders als Johannes Geis fehlte, sprühte das Team nicht gerade vor Ideenreichtum und der sehr gute Hinrundenstart wurde von einer Schwächephase abgelöst. Außerdem muss die Effizienz bei Standards erhöht werden. Mit Geis hat man einen exzellenten Mann für die Ecken und Freistöße und neben Huntelaar noch eine Reihe guter Kopfballspieler. Da dürfen außerdem mehr und natürlich auch präzisere Flanken von den Außenspielern kommen. Weiterhin steht im offensiven Mittelfeld nun ein ganzes Arsenal an technisch guten Spielern zur Verfügung: Sané, Meyer, Choupo-Moting, Belhanda, Schöpf… Sie alle sollten in der Lage sein, dem Angriffsspiel wieder mehr Impulse zu geben und Chancen zu kreieren. Doch dafür müssen sie wieder konstanter spielen oder sich im Fall von Belhanda und Schöpf erst einmal gut in die Mannschaft integrieren. Denn die Schnelligkeit eines Leroy Sané bei Kontern allein reicht nicht immer, um Tore zu schießen oder vorzubereiten.

 

Fazit

Schalke hat sich punktuell im Offensivbereich verstärkt und das war sinnvoll. Trotzdem steckt noch ordentlich Sand im Getriebe und wenn Belhanda und Schöpf nicht außerordentlich gut einschlagen sollten, wird das Auf und Ab der Schalker Leistungen wohl weiter gehen. Ein gestandener Mittelfeldspieler wäre für das junge Team sicherlich eine Bereicherung, zumal Kapitän Benedikt Höwedes lange ausfällt, jedoch konnte ein Idealspieler wie Gökhan Inler nicht verpflichtet werden. Daher muss schon eine ordentliche Leistungssteigerung her, will man im Kampf um die Champions League vor Leverkusen, Gladbach und Co bleiben. Derzeit – man muss es so sagen – weist der Trend aber eher Richtung Europa League.

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