Wenn man den rasanten Aufstieg des FC Ingolstadt mitverfolgt hat, die effektiven Mechanismen im Verein und die professionelle Kommerzialisierung desselben ein wenig im Blick hat und hatte, so könnte man meinen, dass die ,,Schanzer“ das Wintertrainingslager mit einer Promo-Tour nach Japan, California oder Australien verknüpft hätten. Aber wer den FCI noch ein bisschen besser kennt, der weiß, dass das ganz bestimmt nicht der Fall war. Nach außen gibt man sich traditionell (kann man dieses Wort hier benutzen?) bescheiden und backt kleine Brötchen, wie es so treffend heißt – man will schließlich nicht in einem Zug mit Leipzig oder Hoffenheim genannt werden. Hauptsache ihr habt Spaß!

Wie lief die Vorbereitung?

Zwischen dem 07. und 16.01. wurden vier Vorbereitungsspiele absolviert. Während es gegen den Drittligisten VfR Aalen ein 1:1 gab, fielen beim Spiel gegen deren Liga-Genossen Großaspach ganze fünf Tore mehr: Endstand 6:1. In den Spielen gegen die Zweitligisten Karlsruhe und Kaiserslautern konnten Niederlagen ebenfalls vermieden werden (1:0 und 0:0). Nachdem die Aussagekraft von Vorbereitungsspielen für Außenstehende tendenziell ungenügend ist, soll auch vermieden werden, an dieser Stelle unseriöse Schlussfolgerungen zu ziehen. Am Ende bleibt aber unter dem Strich stehen: 4 Spiele, 0 Niederlagen, 8:2 Tore.

Viel aufschlussreicher ist die Vorbereitung aus der Retroperspektive zu bewerten. In der Rückrunde konnten einige Big Points bereits eingefahren werden, alle Partien gegen ,,schlagbare“ Gegner wurden gewonnen und somit die Weichen für den Nichtabstieg gestellt. Was sagt uns das? In der Wintervorbereitung wurde unaufgeregt die Arbeit aus der Hinrunde weitergeführt, die Schanzer bringen das nötige Engagement nach wie vor mit – die Euphorie wurde also über die Pause hinweg hochgehalten, was wohl die schwierigste und zugleich wichtigste zu meisternde Hürde war.

Was tat sich personell?

Um sich offensiv variabler und ein Stück weit unausrechenbarer aufzustellen, holte man Dario Lezcano aus Luzern. Der Nationalspieler aus Paraguay ist stets engagiert, ein Torerfolg blieb ihm allerdings noch verwehrt. Sicherlich eine sinnvolle Maßnahme, die nicht nur für das Ziel Nichtabstieg, sondern auch schon für einen zukünftigen Klassenverbleib anzusehen ist.

Den Verein verlassen haben Tomas Pékart (AEK Athen) sowie die beiden Ex-Sechzger Pledl (per Leihe nach Sandhausen) und Wannenwetsch (Rostock).

So sähe ein plausible Startformation der Oberbayern aus

Spielerische Ausrichtung in der Rückrunde 

Ralph Hasenhüttl lässt personell und taktisch viel rotieren – das Credo, das bereits das Leitmotiv für die Hinrunde war, bleibt aber: Die Ingolstädter treten Woche für Woche engagiert, frisch und bisweilen auch hart auf. Es erstaunt nicht, dass bei diesen Rahmenbedingungen zu Regenerationszwecken der Kader beinahe voll ausgenutzt wird.

So hat man die Schanzer in der Rückrunde beispielsweise schon im 4-3-3, 4-1-4-1 und 4-3-1-2 beobachten können, dabei war auch auffällig, dass in der Offensive (Lezcano, Hartmann, Leckie, Hinterseer) und im Zentrum (Christiansen, Cohen, Roger, Multhaupt…) viel rotiert wurde.

Fazit

Hält der FC Ingolstadt die Euphorie weiter hoch und verkraftet die zum Erstliga-Verbleib notwendige Spielweise, so sieht es mit diesem wirklich nicht schlecht aus. Die Schanzer haben es geschafft, sich ein gewisses Standing zu erarbeiten – was ihnen unter Umständen aber noch zum Verhängnis werden könnte, da die Gegner wohl mittlerweile eine etwas andere Einstellung an den Tag legen, wenn sie auf den FCI treffen. Der Abstiegskampf scheint wieder einmal spannend zu werden – wie viel man in Ingolstadt damit zu tun hat, liegt in der eigenen Hand. Die Ausgangslage könnte deutlich schlechter sein, was auch an Ralph Hasenhüttl liegt: Vorsprung durch Technik, äh Taktik.

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