Bayern-Jäger Nummer Eins: Vor der Saison hätte das vom BVB wohl nicht jeder gedacht, hatte doch die Vorsaison unter anderem zum Abschied von Jürgen Klopp geführt. Nach einer starken Hinserie stand die Borussia aber souverän auf Platz zwei. Was sich in der Winterpause bei den Schwarz-Gelben tat und welche Zukunftsaussichten bestehen, liest Du im heutigen Round-Up.

 

Wie lief die Vorbereitung?

Es war eine Premiere für den BVB: Zum ersten Mal bereitete sich der Tabellenzweite in den Emiraten auf die Rückrunde vor. Während die Wetter- und Trainingsbedingungen in Dubai eine gute Vorbereitung ermöglichten, kamen am Rande andere Themen auf. Denn genauso wie die Bayern, die wieder in Katar ihre Zelte aufschlugen, musste sich der BVB gegen kritische Stimmen hinsichtlich der Wahl des Trainingslagers verteidigen. Sportlich lief es in der Vorbereitung derweil sehr rund: Nach einem 4:0 gegen Eintracht Frankfurt folgten ein 4:1 gegen den südkoreanischen Meister Jeonbuk Hyundai und ein 3:1 gegen Sparta Prag.

Als Gewinner der Vorbereitung lassen sich gleich mehrere Profis bezeichnen: Lukasz Piszczek konnte sich seinen Stammplatz als rechter Verteidiger zunächst von Matthias Ginter zurückholen, machte bisher alle vier Rückrundenspiele auf dieser Position über die volle Distanz. Überraschend kam derweil die Rückkehr von Moritz Leitner zum Profiteam. Lange hatte er beim Regionalligateam gespielt, anscheinend aber an sich gearbeitet. Im Trainingslager erhielt er wieder eine Chance, überzeugte in den Testspielen und zählt nun wieder zum Profikader. Eine noch größere Überraschung ist der Aufstieg der beiden U19-Akteure Felix Passlack und Christian Pulisic. Gerade einmal 17 Jahre alt, nahm Tuchel sie mit ins Trainingslager, war von ihnen überzeugt und lässt sie nun bei den Profis spielen.

Will man Verlierer finden, landet man fast zwangsläufig unter anderem bei Adrián Ramos. Er hat Starstürmer Pierre-Emerick Aubameyang als Konkurrent und damit ist eigentlich alles gesagt. Denn der extrovertierte und modeverliebte Gabuner trifft wie am Fließband und liefert dabei keine Argumente, warum statt ihm Ramos spielen sollte. Außerdem ließ dieser es im Trainingslager in einigen Momenten wohl an der nötigen Einstellung fehlen, was ein energisches Vier-Augen-Gespräch mit Tuchel zur Folge hatte. Danach konnte Ramos zwar in den Testspielen durchaus gute Leistungen anbieten. Dass er aber trotzdem nur zweite Wahl bleibt, zeigt sich auch daran, dass im Spiel am Wochenende gegen Hannover Marco Reus den verletzten Aubameyang in der Sturmspitze vertrat – und nicht Ramos.

 

Was tat sich personell?

Nicht viel. Mittelfeldakteur Jonas Hofmann wechselte für knapp acht Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach, da er dort eine größere Chance auf Einsatzminuten sah. Kam er in Dortmund kaum an Reus, Kagawa oder Mkhitaryan vorbei, wird der Konkurrenzkampf aber in Gladbach kaum leichter.

Außerdem verließ Adnan Januzaj den BVB in Richtung Manchester. Ursprünglich sollte er noch bis Saisonende bleiben, doch er kam nur auf wenige Einsatzminuten und konnte in diesen nicht wirklich überzeugen. Thomas Tuchel bescheinigte dem als Rohdiamanten geltenden offensiven Mittelfeldspieler mangelnde Motivation und Leistungsbereitschaft – ein vernichtendes Urteil.

Will man unbedingt Neuzugänge titulieren, so könnte man die schon erwähnten Felix Passlack und Christian Pulisic anführen. Spielt Passlack vor allem auf der Rechtsaußen-Position, gibt Pulisic im Mittelfeld eher den Spielmachertyp, kann aber auch links offensiv agieren. Nach den Abgängen von Hofmann und Januzaj entstand im offensiven Mittelfeld durchaus eine etwas dünne Personaldecke, da etatmäßig nur Reus, Kagawa und Mkhitaryan übrig blieben. Passlack und Pulisic nun als adäquate Ersatzspieler zu sehen, wäre trotz ihrer tollen Veranlagung aber aufgrund ihres noch jungen Alters vermessen.

 

Spielerische Ausrichtung in der Rückrunde

Den unter Klopp entwickelten Überfallfußball mit konzentriertem Gegenpressing und dem schnellen Spiel Richtung Strafraum nach der Balleroberung konnte Thomas Tuchel schon vor der Saison um einen energieeffizienteren Fußball mit ruhigerem Spielaufbau erweitern. Da die Hinrunde überaus erfolgreich verlief, wird dieser Fußball auch höchstwahrscheinlich beibehalten. Ohnehin kann Thomas Tuchel nicht mehr an allzu vielen Stellschrauben drehen, agiert doch besonders die Offensive stets auf hohem Niveau. Eventuell kann man hier aber noch versuchen, die Chancenverwertung zu verbessern, besonders in dem einen oder anderen Europa League-Spiel wäre dies gut gewesen. Auch in der Defensive kann noch etwas getan werden, wirkten vor allem Mats Hummels und Keeper Roman Bürki nicht immer ganz souverän. Doch alles in allem ist dies Klagen auf hohem Niveau.

 

Fazit

Schien es nach den Abgängen von Hofmann und Januzaj zunächst so, als müsse der BVB nun unbedingt reagieren und mindestens einen Spieler für das offensive Mittelfeld verpflichten, könnte sich die praktizierte Sparpolitik doch auszahlen. Dortmunds Kader ist breit genug, um auch Verletzungen – sofern sie nicht sehr zahlreich eintreten – aufzufangen. Mit Passlack und Pulisic drängen zwei hochveranlagte Talente in den Kader, die erste wichtige Erfahrungen für ihre weitere Entwicklung sammeln können. Außerdem lässt der mehr als ordentliche Rückrundenauftakt mit zehn Punkten aus vier Spielen Gutes für den Rest der Saison vermuten. Bei aktuell 13 Punkten Vorsprung auf den drittplatzierten Leverkusen sollte Platz 2 eingeplant sein, der Blick darf sich nach oben richten.

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