,,[Ich] möchte das Vertrauen rechtfertigen.“ Mit diesen Worten schloss Ante Rebic eine Stellungnahme zu seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt. Allerdings sind die Worte nichts besonderes, vielmehr wäre es das, wenn es sie nicht gäbe. Denn Rebic kann wirklich froh darüber sein, dass er unter diesen Bedingungen einen erneuten Versuch starten kann, seine Profi-Karriere vor der Stagnation zu bewahren. Nach turbulenten Jahren könnte das unter Niko Kovac erstmalig gelingen.

Coric und Co. – oder auch nicht

Mateo Kovacic, Alen Halilovic, Ante Coric – die Liste begabter kroatischer Fußballspieler ist lang, und mit zunehmender Länge wurde und wird der mediale Hang zur regelmäßigen ,,Supertalent“-Deklaration enger. Doch fast immer scheitern die Talente im ersten Anlauf an den mit dem aufgebauschtem Hype verbundenen Ansprüchen: Kovacic ist Bankdrücker bei Real Madrid, Halilovic wechselt für kleines Geld zum HSV, Coric kehrte nach ,,Wonderkid“-Dasein bei RB Salzburg zum Heimatverein nach Zagreb zurück. Ein anderer, der ebenfalls perfekt in diese Reihe passt, ist Ante Rebic, der wie seine Konsorten durch einen aussagekräftigen Start in den Profifußball Aufsehen erregte. 17 Jahre, erster Einsatz bei der ersten Mannschaft von RNK Split, Ausgleichstreffer in der Schlussphase, die Szenerie liest sich fast schon zu typisch. Zwei Jahre und 16 Tore später unterschreibt der zuvor bei Vinjani und NK Imotski ausgebildete Offensivmann einen 5-Jahres-Vertrag beim AC Florenz – eine gute Wahl, so scheint es. Florenz ist ein Spitzenverein, aber deutlich eine Klasse unter Barcelona, Real und Co., die Serie A eine Spitzenliga, aber nicht so spitzenmäßig, als dass sie jungen Spielern keine Entwicklungschancen geben würde. Der Plan könnte aufgehen, wären da nicht diese Zusatzkomponenten wie charakterliche Differenzen eines 19-Jährigen oder andere unkalkulierbare Dinge. So kam er in Florenz im ersten Jahr nur vier mal zum Einsatz, markierte dabei aber immerhin einen Treffer, sein Auftreten war trotzdem nicht überzeugend genug. Ergo verbrachte er das zweite Jahr bei RB Leipzig auf Leihbasis, wo sich gänzlich dem aalglatten Profitum widerborstige Charakterzüge zeigten und Rebic nach Rüffel von Beierlorzer und einigen unglücklichen Auftritten nicht in den Genuss einer gezogenen Ausstiegsklausel von RasenBall kam. Also wieder zurück in die Toskana – wieder vier Einsätze und ein Tor, das aber bereits nach einer Saisonhälfte, allerdings wiederum nicht genug. Deshalb: Ab nach Verona, per Leihe – doch auch dieses Kapitel endete unerwünscht. Zehn Spiele, kein Tor, Abstieg. Nach Florenz kam Rebic gar nicht erst zurück, er suchte den direkten Weg nach Frankfurt zu Niko Kovac, die einzige Konstante in seiner Pofilaufbahn, der einzige Trainer neben Tonci Basic und Zoran Vulic (beide damals RNK Split), der den schwierigen Angreifer zu verstehen schien: Er holte Rebic 2012 in die U21-Nationalmannschaft, in der er mit vier Toren aus sieben Spielen eine überragende Quote hinterließ, später zog er ihn hoch ins A-Team, bei der WM 2014 ließ Kovac ihn in Brasilien auflaufen. Und jetzt in der Bundesliga?

Automatisiert, perfektioniert

Ante Rebic ist ein Spieler mit Modellmaßen: 77 Kilogramm perfekt verteilt auf 185 Zentimeter, der Kroate fällt bestechend durch einen relativ hohen Körperschwerpunkt und eine schlagkräftige Physis auf, die ihm im offensiven Zweikampf neben seinem kraftvollen Antritt klare Vorteile verschaffen. Seine Spielidee wird bestimmt von diesen Voraussetzungen. Rebic ist ein Angreifer, der, wenn er angespielt ist, mit einer sehr offenen Ballannahme immer hellwach ist und extrem wenig Zeit braucht, um den Ball vollständig mitzunehmen und zu kontrollieren. Dass Rebic aufgrund seiner Statur benachteiligt ist, wenn es um eine koordinativ saubere Ballkontrolle geht, ist kein Wunder. Doch diesen Nachteil kompensiert der 22-Jährige mit seiner Physis und routinierten Bewegungsabläufen. Trainingswissenschaftler würden zwar arg mit dem Kopf schütteln, wenn sie das Wort Routine im gleichen Satz mit Koordination hören, doch auch das Beispiel Cristiano Ronaldo zeigt, dass hartes und penibelstes Training, das ja Grundlage für routinierte Bewegungsabläufe ist, in diesem Rahmen durchaus ein Schlüssel zum Erfolg sein kann. Dass eine gewisse Perfektion des Erlernten Grundvoraussetzung für die Kompensation der von der Routine abhängigen negativ beeinflussten Flexibilität ist, steht außer Frage. Doch zurück zu Rebic und bildlicher an die Praxis: Seine Wege, bevorzugt startend aus den Halbräumen oder tatsächlich relativ weit außen im letzten Drittel, führen fintiert zunächst in Richtung Grundlinie und dann in den Rückraum des Sechzehners. Seine Antrittsstärke verhilft ihm bei diesen Wegen oft zum Erfolg, da die Ballführung dank einer perfektionistischen koordinativen Leistung auch bei großer Beschleunigung sehr eng und kontrolliert ist. Damit hängt wohl auch zusammen, dass Rebic einen unfassbar kleinen Aktionsradius und -zeitraum für einen technisch glänzenden Torabschluss benötigt, letztendlich ist das nämlich die Waffe, die seine Spielidee vergoldet und honoriert.

Doch nicht alles ist golden an Ante Rebic. Es darf nicht vernachlässigt werden, dass der Kroate wenig Eigenitiative und Engagement zeigt, wenn es um das Spiel ohne Ball geht. Sein Stellungsspiel – mit offensiven Ausnahmen, wenn die Spielsituation eine mögliche Umsetzung seines automatisierten Bewegungsablaufs ersichtlich macht, ist wegen mangelnder Anstrengung – zumindest kann man das vermuten – schlecht. So und vor allem auch in der Defensive, Uneigennützigkeit ist ein Fremdwort für Rebic, der auf dem Platz auch sonst sehr selbstbewusst, wenn nicht sogar schon arrogant auftritt.

Eins aus Achtzehn

Würde Ante Rebic zu jedem anderen Bundesligaverein außer Frankfurt wechseln, müsste man wohl jetzt diagnostizieren: Weiteres Scheitern ist vorprogrammiert. Rebics Character ist diffizil, was nicht nur alltägliche Dinge im Leben eines Profis wie den Umgang mit Trainern und Mannschaft im alltäglichen Lebens eines Bundesligaspielers, sondern eben auch das fußballtaktische Verhalten auf dem Platz beeinflusst. Doch Ante Rebic wechselt nach Frankfurt und zu Niko Kovac, der in diesem Fall einer enormen Chance, zugleich aber auch einem enormen Risiko entgegensieht. Ein alter Bekannter aus einer erfolgreichen Zeit kann dem 22-Jährigen wohl die nötige Disziplin bzw. die situativ passenden Verhaltensweisen neben, aber vor allem auf dem Platz, aneignen. Dem Spieler ist darum nur zu gratulieren, er hat die einzige Chance genutzt, sich in einer großen europäischen Liga zu etablieren. Die SGE hingegen geht ein Risiko ein, das vielleicht nicht nötig gewesen wäre. Doch Transferkritiker kennt den aktuellen Markt nicht ganz so gut wie Bruno Hübner, weshalb mehr als Spekulation an dieser Stelle unseriös wäre.

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