Fans von Eintracht Frankfurt haben sich in den letzten Wochen wohl gehörig die Augen gerieben, blickt man auf die Entwicklung, die der Klub in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 gemacht hat. Zwar steht Ende Januar noch der letzte Spieltag der Hinrunde gegen RB Leipzig an, doch zum Jahreswechsel rangieren die Hessen auf einem sensationellen Champions-League-Platz! Ein Ergebnis, welches in der Nachbetrachtung des letztjährigen Fast-Abstiegs zweifellos so nicht zu erwarten war. Und auch auf dem Transfermarkt zeigt die SGE erste Charakteristika einer Spitzenmannschaft: Mit Max Besuschkow verpflichtet die Eintracht zur Rückrunde eines der größten Mittelfeldtalente des VfB Stuttgarts. Eine Investition in die Zukunft, die sich aber auch kurzfristig für die Frankfurter als nützlich erweisen könnte.

Tausche Neckar gegen Main

Als Profi noch ein unbeschriebenes Blatt, sorgte Max Besuschkow in den letzten Jahren vor allem in der A-Jugend und im Reserveteam des VfB Stuttgarts für Aufsehen. Nachdem er 2006 als junger Bub zu den Cannstattern wechselte, entwickelte sich der heute 19-jährige im zentralen Mittelfeld zu einer wichtigen Konstante – sowohl im Verein als auch in 38 Länderspielen für die Junioren Nationalmannschaften des DFB. Höhepunkte in seiner Zeit als Jugendspieler stellen dabei zweifellos der Gewinn der Deutschen U17-Meisterschaft unter dem heutigem Co-Bundestrainer Thomas Schneider sowie die Teilnahme an der U-19 Europameisterschaft im eigenen Land im Juli 2016 dar.

Obwohl letztere für Besuschkow und den DFB aus sportlicher Sicht weniger erfolgreich verlief, konnte sich das in Tübingen geborene Talent im vergangenen Sommer über seinen ersten Profivertrag freuen. Dass ein solcher allerdings nicht gleichbedeutend mit ersten Pflichtspieleinsätzen ist, musste der junge Schwabe in dieser Hinrunde am eigenen Leib erfahren. Keine Einsatzminute, nicht einmal eine Nominierung für den Spieltagskader des Zweitligisten stehen für Besuschkow zu Buche. Dafür gehörte er in der zweiten Mannschaft des VfB regelmäßig zum festen Kern. 19 Einsätze, drei Tore und drei Vorlagen reichten dabei den Verantwortlichen der Eintracht, den jungen Mittelfeldspieler von der Neckar an den Main zu lotsen. Aber kann Besuschkow trotz seiner noch mangelnden Erfahrung im Profigeschäft das funktionierende System der Frankfurter bereits kurzfristig beeinflussen?

Offensiv-Allrounder trifft defensive Disziplin

Besonders in der Jugend machte sich Max Besuschkow durch seine außerordentliche Torgefährlichkeit einen Namen. In den letzten beiden Saisons vor seiner Beförderung in die Mannschaft des VfB Stuttgart II gehörte der Neu-Hesse in der B-Jugend und A-Jugend Bundesliga Süd/Südwest mit 18 respektive zwölf Toren zu den besten Goalgettern der Liga. Darüber hinaus komplettierte er seine gute Torausbeute mit zahlreichen Assists, wodurch seine offensiven Fähigkeiten zweifellos zu seinen Stärken zählen. Dies bestätigt auch sein ehemaliger Coach Walter Thomae, welcher in der Abstiegssaison 2015/16 die zweite Mannschaft der Stuttgarter betreute: „Max ist einer der Spieler mit dem besten ersten Kontakt (…) außerdem zeichnet er sich durch eine hohe Passsicherheit aus.“, lobte Thomae seinen früheren Schützling gegenüber dem Schwarzwälder Boten.

Aber auch charakterlich scheint Besuschkow die richtige Einstellung an Tag zu legen. Obwohl DFB Coach Guido Streichbier (Prost!) während der U-19 Europameisterschaft ihn auf der eher ungewohnten Position im linken Mittelfeld einsetzte, lamentierte der Youngster nicht. Ganz im Gegenteil. Aussagen wie: „Ich spiele grundsätzlich da, wo der Trainer mich aufstellt“, zollen von einer gewissen Reife und einer ausgeprägten Teamfähigkeit für einen Spieler in seinem jungen Alter. Eine disziplinierte Attitüde beweist Besuschkow auch auf dem Platz. Bei insgesamt 52 Spielen in der 3. Liga und Regionalliga Südwest kassierte er gerade einmal fünf gelbe Karten, was in Anbetracht dessen, dass er vermehrt im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde und somit häufig in Zweikämpfe verwickelt war, einen beachtlichen Wert darstellt.

Somit könnte sein offensives Skillset, gepaart mit seiner disziplinierten Spielweise, ideal in das kompakte Spielsystem des Eintracht-Coach Trainer Niko Kovač passen.

Ein Schritt in die Zukunft

Ab dieser Rückrunde darf Besuschkow also für die Eintracht aus Frankfurt auflaufen. Doch warum sollte jemand, der beim VfB Stuttgart in der 2. Liga keine Berücksichtigung fand, diese beim Tabellenvierten der Bundesliga erhalten? Zwei Personalien, die für den momentanen Erfolg der Frankfurter verantwortlich sind, könnten die Antwort zu dieser Frage sein: Fredi Bobic und Niko Kovač.

Attestieren wir für einen Moment dem seit dieser Saison zum neuen Sportvorstand berufenen Bobic ein geschultes Auge für Top-Talente (Hat hier jemand gerade Kimmich gesagt?), so könnte die Ausgangsposition für Besuschkow deutlich schlechter sein. Der ehemalige Sportdirektor des VfB kennt den jungen Mittelfeldspieler aus seiner Zeit in Stuttgart nur zu gut und kann neben seinen fußballerischen Qualitäten auch die menschliche Seite des U-Nationalspielers einschätzen. Zudem erwartet Bobic vom Neuzugang nicht gleich wahre Wunder: „Wir wollen ihm in Frankfurt die Möglichkeit bieten, unter Bundesligabedingungen zu trainieren und ihm die Zeit geben, sich weiter zu entwickeln.“. Die entstandene Gelassenheit, durch die hervorragende Hinrunde der SGE, könnte sich somit auch für Besuschkow in seiner Anfangszeit als echter Vorteil herausstellen.

Der zweite Grund, dass sich der Wechsel für Besuschkow und die SGE als die richtige Entscheidung entpuppen könnte heißt Niko Kovač. Wie wohl kein anderer Trainer in der Bundesliga wechselt der Kroate regelmäßig die Grundausrichtung seiner Mannschaft – von einem Fünfer-Abwehrbollwerk über eine klassische Vierer-Abwehrkette bis hin zu der wieder modern gewordenen Dreierkette, immer wieder passen die Hessen ihre Aufstellung an ihre Gegner an. Auch wenn es für Besuschkow zu Beginn schwierig werden dürfte – zumal mit Omar Mascarell, Szalbolcs Huszti und Marco Fabián gleich drei gestandene Profis vor ihm stehen – muss sich der Neu-Adler keine Sorgen machen. Bei Besuschkows Talent steht außer Frage, dass auch er in der Rückrunde Einsatzminuten bekommen wird, ohne dabei den ganz großen Druck auf den Schultern tragen zu müssen. Dadurch kann sich der 19-jährige in aller Ruhe an das Niveau einer Bundesligamannschaft gewöhnen und möglicherweise als Back-Up für Mascarell heranwachsen, sollte Real Madrid im Sommer von ihrer Rückkaufoption Gebrauch machen.

Ob Frankfurt in der Rückrunde an die Erfolge aus dem letzten halben Jahr anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Nichts desto trotz scheinen die Hessen aus ihren Fehlern aus den letzten Jahren gelernt zu haben. Max Besuschkow scheint dabei ein weiteres Beweisstück für die momentan seriöse Arbeit der Frankfurter zu sein. Liebe Eintracht, läuft bei euch!

 

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