“Oh Baby, No Way, Are you fucking with the team?“ – Diese Zeile stammt aus dem Song “Team“ der australischen Künstlerin Iggy Azalea. Auch wenn Iggy das sicher nicht so gemeint hat, Transferkritiker sieht die Zeile als Hommage an ihren Namensvetter Iggi. Iggi wer? Aleksandar Ignjovski natürlich, der zu seinen Zeiten bei Werder Bremen diesen Spitznamen erlangte, weil er dort als absolut uneigennütziger Teamplayer zum Publikumsliebling avancierte. Doch diese Zeiten von Iggi gehören der Vergangenheit an. Über Eintracht Frankfurt ist er nun beim SC Freiburg gelandet, auch, weil man dort sehr überzeugt ist von Ignjovskis Teamgeist, der seine Handschrift auch im Spielstil des Defensivmannes hinterlässt. Wie genau und ob das dann auch passt mit Iggi im Breisgau, erfahrt ihr bei Transferkritiker.

Mit dem Signum der Plava Unija

Aleksandar Ignjovski, geboren am 27.01.1991 in Pancevo, begann das Fußballspielen beim augenblicklichen serbischen Zweitligisten OFK Belgrad. Dort durchlief er die gesamte Jugendabteilung und etablierte sich auch bei der Herrenmannschaft – Ignjovskis fußballerische Grundausbildung trägt also maßgeblich das Signum der Plava Unija, des einst erfolgreichsten Fußballklubs Jugoslawiens. Im Juli 2009 wurde der TSV 1860 mit den Argusaugen von Ignjovskis Landsmann Miki Stevic, zu dieser Zeit Sportdirektor bei den Münchner Löwen, auf diesen aufermerksam. Traditionell finanziell klamm reichte es aber nur zu einem Leihgeschäft, das allerdings zwei Jahre dauerte. In dieser Zeitspanne wusste Ignjovksi durchaus zu überzeugen, obwohl er zwischendurch von Verletzungen geplagt war. 2011 war dann aber der Tag des Abschieds gekommen – mit gewohntem Verhandlungsgeschick schaffte es der TSV nicht, Ignjovksi noch länger an sich zu binden, vielmehr holte Werder Bremen den Serben in die erste Liga – übrigens für 500.000 Euro, die gleiche Summe, die die Löwen zwei Jahre zuvor als Leihgebühr in den Südosten überwiesen hatten. Business.
An der Weser spielte sich Ignjovski endgültig in den Fokus des deutschen Fußballfans, zudem etablierte er sich sportlich vollends. Trotzdem blieb er nur drei Jahre in Bremen, ehe er 2014 ablösefrei nach Frankfurt zog und einen Dreijahresvertrag unterschrieb, den Ignjovski nicht erfüllte: Zur neuen Saison wird der Serbe seine Stiefel für den Bundesliga-Rückkehrer SC Freiburg schnüren, der mit 750.000 Euro die bisher größte Summe für diesen auf den Tisch legt. Es wird Zeit, dass aus Ignjovski wieder Iggi wird und sich der Serbe wieder in den allgemeinen Fokus spielt: Die Karriere des erst 25-Jährigen stagnierte zuletzt in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig, auch die Nationalmannschaftskarriere nach einer lupenreinen Jugendteam-Laufbahn und elf A-Einsätzen liegt derzeit auf Eis. Kann der Wechsel zum SCF eine Berufung wieder wahrscheinlicher machen oder verblasst Ignjovski zum unscheinbaren Bankdrücker? Transferkritiker blickt auf die sportlichen Fähigkeiten Ignjovskis.

Mannschaftsdienlich ohne Rücksicht auf Verluste

,,Ich würde nie sagen, dass ich das nicht spielen kann.“ lautete der letzte, abschließende und kurios optimal zusammenfassende Satz von Aleksandar Ignjovski nach seinem ersten Interview für den SC Freiburg. Zusammenfassend nicht nur für das Interview, sondern für den gesamten Spielertypen Ignjovski. Der Serbe stellt ordnet sich immer zuallerst dem allgemeinen Zweck unter. Kann ich nicht? Will ich nicht? Gibt es nicht! Egal ob Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld, Ignjovskis Spiel wird von seinem Mannschaftsgedanken dominiert. So lässt sich auch keine feste Position für ihn festlegen. In der Jugend begann er als linker Außenverteidiger, bei den Profis etablierte er sich auf der Sechs, dort überzeugte er auch beim TSV 1860 und ging seine ersten BuLi-Schritte bei Werder, wo er als rechter Außenverteidiger zu Iggi wurde. Auf der selben Position kam die Karriere in Frankfurt langsam aber sicher in eine stagnierende Phase, jetzt ist der Serbe in Freiburg und sagt von vorne herein: Ich kann und werde überall dort spielen, wo der Trainer mich braucht. Kann er das wirklich?

Auf den ersten Blick: Ja. Der 25-Jährige ist ein Spieler, den man als typischen Allrounder bezeichnen kann. Seine fußballerischen Fähigkeiten sind in jeder Kategorie für einen Bundesliga-Profi durchschnittlich, lediglich zwei Dinge stechen heraus, die in ihrer Summe auch wieder den Durchschnitt ergeben: Erstens ist Ignjovski kämpferisch überdurchschnittlich, immer bereit, ans Äußerste zu gehen. Und zweitens fehlt ihm im seinem manchmal fast scheuklappenähnlichen Kampf für die Findung der besten Lösung oft die Fähigkeit, einen Kompromiss einzugehen, die zweitbeste Alternative des geringen Risikos wegen zu wählen, die Cleverness, auch einmal zehn Prozent Einsatz herabzufahren. Diese Dinge muten zunächst einmal nicht zwingend schlecht an, suggerieren sie doch den Willen und die Aufopferbereitschaft, die Ignjovski ja auch durchaus auf den Platz bringt. Allerdings bedeuten sie auch, dass der Serbe oft ein relativ großes Risiko eingeht. Als Außenverteidiger zum Beispiel scheut er sich manchmal im Aufbauspiel vor dem ersten Querpass, wenn er, frontal bedrängt, zu einer Ballaktion gezwungen wird. Er weiß: Der Querpass bringt unter Umständen den zentralen Mitspieler in Bedrängnis, könnte ihn auch zu einem Aufbaurückschritt, einem Rückpass auf einen der Innenverteidiger bringen. Deshalb versucht Ignjovski, am frontalen Angreifer vorbeizukommen, was ihm dank seines robusten, drahtigen Körpers, der mit einem guten Antritt ausgestattet ist und einer soliden Technik auch manchmal gelingt. Er macht das nicht, um seine Fähigkeiten zur Schau zu stellen, sich zu profilieren, nein, er hat nur das Wohl der Mannschaft im Blick. Denn beim Erfolg dieser Aktion ist die erste Angriffsreihe überwunden und der folgende Querpass ermöglicht gleich ganz neue, bessere Möglichkeiten – aus Ignjovski wird so schnell Iggi. Doch das Risiko eines Ballverlustes ist in diesem Fall so weitreichend, dass der Grat zum Buhmann an dieser Stelle sehr schmal ist. Auch als Sechser zeigt sich bei Ignjovski diese Eigenschaft. Wie außen steht er auch hier meist sehr tief, ist ohne Ball fleißig und bietet Anspielstationen, will zum Aufbau in der eigenen Hälfte beitragen. Dass er defensiv jeden Weg geht und sich stets in den Kampf wirft, ist fast schon überflüssig zu erwähnen. Doch mit Ball will er eben auch immer das allerbeste aus seinen Aktionen holen, das Beispiel des Außenverteidigers lässt sich mühelos übertragen – doch zum steten Erfolg reichen Ignjovskis soliden, bundesliga-durchschnittlichen technischen Fähigkeiten eben nicht aus.

Aleksandar Azalea

Wird der Serbe also wieder zu Iggi im Breisgau? Transferkritiker legt sich fest: Ja. Mit Christian Streich haben die Freiburger einen uneitlen Trainer, der Wege finden wird, Ignjovski genug Wind aus den Segeln zu nehmen, um sein risikoreiches Spiel zu minimieren, den Kampf- und Mannschaftsgeist aber nicht zu schmälern. Als einer von den zwei einzigen bundesligaerfahrenen Neuzugängen im Kader des SCF stehen die Chancen auch sehr gut, dass Ignjovski deutlich konstanter zum Einsatz kommen wird als in seinen letzten Saisons. 750.000 Euro Ablöse sind zudem keine besonders bemerkenswerte Summe für einen durchschnittlichen, sehr erfahrenen Bundesligaakteur wie ihn, der zudem im besten Fußballeralter ist. Mit Sreichs Hilfe wird Aleksandar Ignjovski also wieder Iggi – und bleibt trotzdem (und deshalb) seinem Motto treu: When I am on the pitch, you won’t be fucking with my team!

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