Es ist der Abend des 20. Juni 2015 in Auckland als Mijat Gacinovic zusammen mit seinen Mitspielern den U20-WM-Pokal in den neuseeländischen Himmel stemmt. Nach dem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen den fünfmaligen Titelträger Brasilien ist es der erste U20-Triumph für Serbiens Nachwuchs und der erste große Fußballtitel für das Land Serbien in seiner heutigen Form. Ab dem Achtelfinale mussten die Serben in jedem Spiel in die Verlängerung, zweimal gar ins Elfmeterschießen. Doch gemeinsam haben die serbischen Nachwuchskicker unermüdlich für ihren Traum gekämpft und der Kapitän, der sie dabei anführte, war Flügelstürmer Mijat Gacinovic. Nun wechselt dieses große Talent, das neben der serbischen auch die bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft besitzt, für 1,5 Millionen Euro in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt. Ob sich der 20-Jährige in der Mainmetropole wirklich wird durchsetzen können, liest Du im heutigen Artikel.

Sportliche Vergangenheit
Nachdem Mijat Gacinovic bis 2010 in Bosnien-Herzegowina für FK Leotar Trebinje gespielt hatte, wechselte er nach Serbien zu FK Vojvodina Novi Sad. Nach drei Jahren in der Jugend des serbischen Spitzenvereins wurde Gacinovic schließlich 2013 Profi. Mit der Mannschaft erreichte er in seinem ersten Profijahr zwar nicht den jahrelang hinter Partizan und Roter Stern Belgrad eingenommenen dritten Platz – dafür aber das serbische Pokalfinale, das mit dem ersten Titelgewinn für Vojvodina seit 25 Jahren endete. Immer mehr entwickelte sich Gacinovic zu einer festen Größe im Team, absolvierte in zwei Jahren 60 Pflichtspiele, in denen er 13 Tore schoss und sechs Treffer vorbereitete. Im Mai und Juni dieses Jahres folgte schließlich die U20-WM, bei der er erstmals international auf sich aufmerksam machen konnte. Nun folgt der Schritt in die Bundesliga zur Eintracht, die ihm sein künftiger Mitspieler Slobodan Medojevic (von 2012-2014 bei Wolfsburg, nun bei Frankfurt im defensiven Mittelfeld) empfohlen hat.

Gacinovic bei der Eintracht
Positionstechnisch gesehen ist Gacinovic besonders gut auf Linksaußen einzusetzen. Dort ersetzt er Lucas Piazon, der oft nicht die Erwartungen erfüllen konnte und nach einem Jahr Leihe vom FC Chelsea auf die Insel zurückkehrt. Mit seiner Schnelligkeit, seiner guten Technik und den Stärken im Dribbling ist Gacinovic Takashi Inui nicht unähnlich, diesem soll er Konkurrenz im linken Mittelfeld machen. Sowohl Gacinovic als auch Inui sind jedoch nicht sehr kräftig und zweikampfstark, wobei der Serbe aufgrund seines jungen Alters in den nächsten Jahren bestimmt physisch noch zulegen kann. Dies ist auch nötig, will er sich gegen kräftige Verteidiger behaupten. Fraglich ist aber, wie konstant Gacinovic bei seinen Einsätzen schon wird agieren können. Doch auch sein Konkurrent Inui stand zuletzt nicht für Konstanz: er kann zwar den tödlichen Pass spielen und mit technisch hervorragenden Aktionen glänzen, ihm kann aber in einem Spiel oder mehreren aufeinanderfolgenden Partien mal nahezu gar nichts gelingen. Wichtig für Gacinovic wird indes sein, dass er neben seiner Zweikampfstärke, dem Kopfballspiel und der Torgefährlichkeit auch die Anzahl seiner Torvorlagen steigert. Denn Trainer Armin Veh will den Serben zwar auf allen drei offensiven Mittelfeld-Positionen einsetzen können und im meist wohl aufgebotenen 4-1-3-2- als auch im 4-2-3-1-System der Eintracht gibt es zwar drei mögliche Positionen. Doch die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld ist stark: neben Inui und dem letzte Saison oft stark spielenden Stefan Aigner drängen mit Top-Talent Marc Stendera, Sonny Kittel oder Joel Gerezgiher viele junge Spieler in die Startelf. Und auch Alexander Meier kann nicht nur im Sturmzentrum und als hängende Spitze, sondern auch als offensiver Mittelfeldspieler agieren. Wer sich hier, so wie Gacinovic, im teaminternen Konkurrenzkampf durchsetzen will, der muss also den torgefährlichen Eintracht-Stürmern Meier, Seferovic, Castaignos oder Kadlec gute Chancen auflegen.

Fazit
Mijat Gacinovic wird Zeit brauchen, um sich an die Schnelligkeit der Bundesliga und die robuste Spielweise zu gewöhnen. Zu unterschätzen ist dabei auch nicht, dass er erst noch die deutsche Sprache lernen muss, damit die Kommunikation mit den Mitspielern besser funktioniert. Wird Gacinovic aber behutsam aufgebaut und ihm das nötige Vertrauen und die erforderliche Zeit geschenkt, kann er in Frankfurt reifen und auf lange Sicht zu einer festen Größe werden. Ebenso wie als Kapitän der serbischen U20-Mannschaft wird er dann auch Verantwortung bei der Eintracht übernehmen können. Vielleicht wird er dann eines Tages auch mit den Hessen einen Pokal in die Höhe stemmen können – so wie mit der serbischen U20 im Juni 2015 in Auckland.

Gacinovic zu Eintracht Frankfurt
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