33-facher holländischer Meister, 18-facher Gewinner des nationalen Pokalwettbewerbs und achtmaliger Supercup-Sieger: Ajax Amsterdam – so hieß das niederländische Maß aller Dinge in den letzten Jahren. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 dominierten die Hauptstädter die Eredivisie nach Belieben und reihten eine Meisterschaft an die andere. Als man schon langsam an ein Meisterschafts-Abonnement glauben durfte, schritt die PSV Eindhoven vehement ein. Am 17. Mai diesen Jahres beendete die Philips‘ Sports Verenigung die Amsterdamer Meisterserie und bot unter Ex-Spieler und heutigen Trainer Philip Cocu attraktiven Fußball. Formidable 88 Zähler wies ihr Punktekonto nach 34 absolvierten Spieltagen auf, und damit 17 Punkte mehr als der Rekordmeister aus Amsterdam für sich verbuchen konnte. Vor allem zwei Männer trugen maßgeblich zur herausragenden Saison des Werksvereins bei: Memphis Depay und Luuk de Jong. Die beiden für Holland aktiven Nationalspieler erzielten 22 respektive 20 Treffer und damit kumuliert fast doppelt so viel wie das Tabellenschlusslicht aus Dordrecht.

In der laufenden Saison 2015/ 2016 vertreten vier Teams den holländischen Fußballverband „KNVB“. Während die PSV Eindhoven in der Champions League antreten darf, starten Ajax Amsterdam, der FC Groningen sowie AZ Alkmaar in der Europa League.

Die Lage der Liga

Die Misere, in der sich die Nationalmannschaft Hollands derzeit befindet, symbolisiert den aktuellen Stellenwert des gesamten niederländischen Fußballs. Während „Oranje“ das Aus in der EM-Qualifikation droht, läuft die Eredivisie Gefahr, neben den europäischen Top-Ligen in der Versenkung zu verschwinden. Ajax Amsterdam, der viermalige Champions League-Sieger, scheiterte in den Play-Offs zur Teilnahme an der „Königsklasse“ an Rapid Wien – ein Verein, der überhaupt erst zwei Mal (zuletzt vor exakt 10 Jahren) in diesem Wettbewerb antreten durfte. Das letzte niederländische Team, das die Gruppenphase des wichtigsten europäischen Wettbewerbs im Fußball überstehen konnte, heißt PSV Eindhoven. Damals, vor sage und schreibe acht Jahren, zog der amtierende Holland-Meister ins Viertelfinale ein, in dem man sich gegen den FC Liverpool letztendlich geschlagen geben musste. Und auch in der Europa League lief es in der jüngsten Vergangenheit nicht gerade rund für die Repräsentanten der Niederlande.

Einen weiteren Beleg für diese Negativ-Entwicklung liefert die UEFA-Fünfjahreswertung, in der man momentan hinter der Ukraine und Belgien lediglich auf dem zehnten Platz rangiert. Alleine die Tatsache, dass man in dieser Rangliste hinter dem „kleinen Nachbarn“ Belgien steht, dürfte eine Enttäuschung für den niederländischen Fußball sein. Konnte Holland in der Saison 2011/ 2012 noch starke 13.600 Uefa-Punkte verbuchen, was damals einen überragenden vierten Rang hinter Spanien, Deutschland und England in jener UEFA-Fünjahreswertung bedeutete, erzielte man in den vergangenen drei Jahren jeweils nicht einmal die Hälfte dieser Punktzahl. Die Liga hat in der Vergangenheit zweifelsohne an Qualität einbüßen müssen.

Qualität geht, was kommt nach?

Die Eredivisie gilt als eine der größten Talentschmieden Europas. Viele holländische Vereine verfügen über eine gute bis sehr gute Nachwuchsarbeit. Unzählige Talente reiften in dieser Liga bereits zu Stars, die später bei den Top-Klubs Europas unter Vertrag standen. Denken wir da nur an Luiz Suárez, welcher sich 2011 von Ajax Amsterdam verabschiedete, um sich auf der großen Bühne des Fußballs durchzusetzen. Mittlerweile zählt er an der Seite von Messi und Neymar zum wohl besten Sturm-Trio der Welt.

Talente in den eigenen Nachwuchsleistungszentren ausbilden und anschließend teuer weiterverkaufen: Die Grundlagen eines Systems, das viel Geld generiert. Doch dieses Geld investieren die niederländischen Vereine in der Folge meist nicht in neue Spieler eines ähnlichen Formats. 51,57 Millionen Euro – mehr haben die insgesamt 18 Eredivisie-Teilnehmer zusammengenommen für Neuzugänge in diesem Sommer nicht ausgegeben. Mit 21,8 respektive 11,3 Millionen Euro legten der amtierende Meister aus Eindhoven sowie der Rekordmeister aus Amsterdam noch am Meisten auf den Tisch. Insgesamt acht Mannschaften begangen überhaupt keinen finanziellen Aufwand für Neuzugänge. Angesichts dieser Tatsache dürfte der folgende Vergleich nicht überraschen: Summiert man die Marktwerte aller 469 Spieler der Eredivisie, kommt man auf einen Betrag von 489,10 Millionen Euro. Addiert man die Marktwerte der Kader von Borussia Dortmund sowie des VfL Wolfsburg , erhält man mit 493,1 Millionen Euro eine höhere Summe.

Superstars von morgen

Und auch in der diesjährigen Transferperiode verließen die Eredivisie wieder einige hochtalentierte Spieler. Drei von ihnen gehören dem Kader der niederländischen Nationalmannschaft an und suchen künftig allesamt ihr Glück in der englischen Premier League. Die Rede ist von Memphis Depay, Georginio Wijnaldum und Jordie Clasie.

Memphis Depay

Der 21-jährige Offensiv-Allrounder schloss sich nach dem Gewinn des Meistertitels mit der PSV Eindhoven keinem geringeren Verein als Manchester United an. Bei den „Red Devils“, die 27,5 Millionen Euro an die PSV überwiesen, konnte er seine Qualität in der noch jungen Saison bereits das ein oder andere Mal unter Beweis stellen. Vier Spieltage alt ist die Premier League und an allen setzte ihn Manu-Coach Louis van Gaal ein. Zwei Partien absolvierte der Spieler ghanaischer Abstammung sogar über die volle Distanz. Van Gaal setzt sein Vertrauen in Depay, welches er ganz sicher schon sehr bald mit Toren zurückzahlen wird.

Georginio Wijnaldum

Ein weiteres Plus von 20 Millionen Euro konnte der niederländische Meister durch den Transfer von Georginio Wijnaldum verbuchen. Der 24-jährige zentrale Mittelfeldakteur schnürt die Schuhe nun für Newcastle United. Wie sein Ex-Teamkollege Depay durfte Wijnaldum in allen Spielen der aktuellen Premier-League-Spielzeit bei seinem neuen Arbeitgeber mitwirken. Sollte sich der 21-fache Nationalspieler auf der Insel noch weiter entwickeln können, wird man in absehbarer Zeit wohl von einem Transfer zu einem Top-Klub berichten dürfen.

Jordie Clasie

Für ihn ging es von der Hafenstadt Rotterdam aus zur Überraschungsmannschaft der vergangenen Premier League-Saison FC Southampton. Mit Feyenoord einigten sich die Engländer auf 12 Millionen Euro für die Dienste des defensiven Mittelfeldspielers. In der laufenden Spielzeit kann Clasie bislang einen Einsatz in Englands höchster Spielklasse vorweisen.

Top 3 Transfers

Verglichen mit einigen teilweise hochkarätigen Transfers, die in der abgelaufenen Transferperiode getätigt wurden, handelt es sich bei den in der Folge beleuchteten Wechseln wohl eher um durchschnittliche als um „Top“-Transfers. Doch das sei dahingestellt. Was dagegen feststeht ist, dass Gastón Pereiro, Héctor Moreno und Nemanja Gudelj die teuersten Neuzugänge der Eredivisie sind.

Der 20-jahre alte Pereiro kam für 7 Millionen Euro von Club Nacional aus Uruguay zur PSV Eindhoven. Der offensive Mittelfeldmann soll den Angriff des Meisters verstärken und dabei Wijnaldum so gut wie möglich ersetzen. Héctor Moreno ist spätestens seit der WM 2010 eine international bekannte Personalie im Fußball. Der Innenverteidiger wechselte für 5 Millionen Euro von Espanyol Barcelona zu Eindhoven. Aufgrund seiner 59 Länderspiele für die Auswahl Mexikos kann er der PSV sicherlich nützlich werden. Vom Rekordmeister aus Amsterdam hätte man durchaus einen „Top“-Transfer erwarten können. Stattdessen bediente man sich lediglich in der eigenen Liga bei Konkurrent AZ Alkmaar und verpflichtete den 23-jährigen Nemanja Gudelj für 6 Millionen Euro. Der serbische Nationalspieler wird sich im Mittelfeld um einen Stammplatz bemühen.

EREDIVISIE - ROUND-UP DER TRANSFERPERIODE
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