Football, Basketball, Eishockey und Baseball. Diese Sportarten dominieren die nordamerikanische Sportszene, für Fußball ist dort nicht viel Platz. Auch wenn die Popularität des Fußballs in den USA und Kanada während der letzten Jahre angestiegen ist, zeigt nur ein winziger Bruchteil Interesse am „Weltsport“.

Das Altenheim der Fußballwelt

Trotz fehlenden nationalen Interessen versucht die Major League Soccer durch die Verpflichtung von altgediegenen Superstars wie Andrea Pirlo, David Villa, Steven Gerrard, Frank Lampard, Didier Drogba und Kaka attraktiver zu wirken, für Fans, aber auch für andere Fußballspieler aus Europa. Unter europäischen Fußballfans wird die MLS oftmals als Auslaufgerade altgedienter Fußballstars verspottet. Ein Spott der anhand der jüngsten Neuzugänge nur allzu verständlich scheint.

Nostalgiker könnten an die North American Soccer League (NASL) zurückdenken, in der einst auch Legenden wie Gerd Müller, Franz Beckenbauer oder Pele den Winter ihrer Karriere verbrachten. Selbst wenn die Spieler schon am Zenit ihrer Karriere stehen sind die Oldies definitiv eine Bereicherung für den nordamerikanischen Fußball. Mittlerweile kommen aber auch jüngere Spieler in die MLS. Spieler die in Europa keine Perspektive sehen ? Was verleitet Spieler wie Obafembi Martins, Sebastian Giovinco oder Giovanni Dos Santos dazu in die MLS zu wechseln?

Die Reize der MLS

Natürlich reizt die Finanzstärke der nordamerikanischen Teams viele Spieler aus Europa, gerade dann, wenn es sich um die Altersvorsorge handelt. Utopische Gehälter sind in den USA und Kanada ganz normal. Die Gehälter von Weltfußballer Kaka und Sebastian Giovinco liegen mit knapp 6.5 Millionen Euro Jahresgehalt gerade mal im Mittelfeld der amerikanischen Spitzensportler. Doch die MLS bietet auch abseits des Geldes viel für das sich der Flug über den Atlantik lohnt. Schillernde Metropolen wie New York, Los Angeles, Seattle, Washington, Chicago und Vancouver verzaubern und bieten eine Lebensqualität beziehungsweise einen Lifestyle der weltweit einzigartig ist. Des Weiteren können vor allem „Schönwetterspieler“ von einem Wechsel in die MLS profitieren. Die Saison geht von Mitte März bis Ende November. Somit können auch sonnenverwöhnte Südeuropäer ohne Sorge vor Frostbeulen in die wachsende Liga wechseln. Einen weiteren Reiz für wechselnde Fußballspieler bietet die fehlende Popularität des Fußballs. Fußballer können in Nordamerika wie „normale“ Menschen leben, für Starallüren ist kein Platz. Frei nach dem Motto „Who the fuck are you ?“. Beim abendlichen Dinner lauern keine Paparazzi oder Fragen wie „ Sind sie nicht …?“ oder „Könnten wir ein Foto mit ihnen machen?“, sondern nur das Essen, die Rechnung und die Freude auf den nächsten Spieltag.

Franchise und Spielsystem

Anders als im europäischen Fußball sind die 20 Mannschaften der Liga in die Eastern Conference und Western Conference aufgeteilt. Jede Mannschaft bestreitet 34 Spiele, je ein Hin- und Rückspiel gegen jede Mannschaft der eigenen Conference. Außerdem spielt jede Mannschaft ein Spiel gegen jede Mannschaft der anderen Conference. Es folgen 6 weitere Spiele gegen Franchises der eigenen Conference.

Die punktbeste Mannschaft erhält am Ende der Saison den begehrten MLS Supporters’ Shield. Allerdings ist die Saison mit der Vergabe dieser Trophäe noch nicht beendet. Die besten sechs Mannschaften jeder Conference qualifizieren sich für die MLS Playoffs, in denen der Sieger ausgetragen wird, so wie in den meisten nordamerikanischen Sportarten.

Eine weitere Besonderheit der MLS sind die Mannschaften, sogenannte Franchises. Um mit einem Team aktiv am Ligabetrieb teilnehmen zu können, muss Eigentümer eine Lizenz von der MLS kaufen. Hierbei ist es egal ob es sich um eine Privatperson oder ein Unternehmen handelt. Ein bekannter Energy-Drink-Hersteller, der sich auch im deutschen Fußball breit macht hält beispielsweise ein Franchise in den USA. Der Franchisenehmer darf jedoch nicht vollkommen frei handeln, sondern muss sich an die Vorgaben und Auflagen der MLS halten. Eine dieser Auflagen ist die Salary-Cap-Limitation (Gehaltsgrenze pro Spieler). Diese beläuft sich auf insgesamt drei Millionen Dollar. Trotz dieser Grenze dürfen in jedem Team drei „Designated Players“ gehalten werden, welchen die Vereine ein freibestimmbares Gehalt bezahlen dürfen. Unter die Designated Players fallen Spieler wie Lampard, David Villa, Kaka, Gerrad und Co.

Fazit

Fußball in Nordamerika ist und bleibt eine Randsportart. Die MSL generiert nicht mal ein Drittel der durchschnittlichen Zuschauerzahlen der NFL. Daran werden auch Kaka und Co. nicht viel ändern können. Zwar ist ein Wachstum zu sehen, so werden im Laufe der nächsten 2-3 Jahre drei weitere Teams in die MLS aufgenommen, aber Fußball wird nicht zum Volkssport.

Auch am Ruf der MLS dürfte sich künftig nicht viel ändern. Viele Fußballstars wollen ihre Karriere in Ruhe ausklingen lassen, am besten mit einem Haus in Beverly Hills oder mit einem Loft direkt am Central Park. Auch wenn das Geld viele jüngere Spieler lockt, werden hauptsächlich ältere Spieler dort Fuß fassen. Denn wie Jürgen Klinsmann bereits richtig erkannte, bietet die MLS keine Möglichkeiten sich international oder für die Nationalmannschaft zu empfehlen, da einfach das Tempo, die Qualität der Liga und auch die Konsequenz in der Durchführung des Trainings fehlt.

MLS-Boss Don Garber verkündete das Ziel, langfristig die MLS “zu einer der besten Ligen der Welt” zu entwickeln. Das ist jedoch ziemlich unwahrscheinlich. Einen Superstar wie beispielsweise Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo in seiner Glanzzeit nach Amerika zu locken, ist genau so unwahrscheinlich wie ein Wechsel von Ausnahme-Basketballer Le Bron James in die deutsche Basketball-Bundesliga.

Facebook-Kommentare