16. Januar 2017: „Ich bin morgens aufgestanden, habe die Nachricht gelesen und war schockiert. Ich weiß nicht, wo das nun wieder herkommt. Da ist nichts dran“ – zehn Tage später sieht die Welt von Daniel Caligiuri ganz anders aus. Fortan läuft der Italiener im königsblauen Gewand auf und hat damit wieder einmal bewiesen, dass während der Transferperiode auf Äußerungen von Profis und Verantwortlichen nicht sonderlich viel zu geben ist. Der Wechsel erscheint in jedem Fall überraschend, zumal Wolfsburg noch im Sommer eine 10-Millionen Offerte ausgeschlagen hatte. Doch wieso haben sich Schalke und Caligiuri jetzt für diesen Schritt entschieden? 

Formkrise trifft Formkrise

Über die Karriere von Daniel Caligiuri dürfte das wichtigste hinreichend bekannt sein. Beim SC Freiburg avancierte der gebürtige Villinger zum Bundesligaprofi, überzeugte dabei insbesondere in der Spielzeit 2012/13, in der er als Leistungsträger entscheidenden Beitrag zum fünften Platz, und damit zur besten Platzierung der Vereinsgeschichte, leistete. Folglich kam der Wechsel in die Autostadt. Mit dem VfL Wolfsburg wurde Caligiuri Vize-Meister, Pokalsieger und gab sein Debüt in der Königsklasse – in welcher er mit einem Treffer im Old Trafford für Aufsehen sorgte.

Also eigentlich eine bis jetzt rundum gelungene Bundesligakarriere, wäre da nicht das durchwachsene Jahr 2016 gewesen, in welchem die Wölfe, aber auch Caligiuri, deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind. Trotz Formkrise spielte Caligiuri auch im vergangenen Jahr regelmäßig. In der Hinrunde verpasste der 29-jährige nur eine Partie und stand gar 13 Mal in der Startelf der Wolfsburger.

Warum also lässt die Klubführung eine solche Konstante ziehen und welche Rolle kann Caligiuri bei den Knappen einnehmen?

Theoretisch gut, aber…

Sprechen wir über die Stärken des Deutsch-Italieners, so finden wir diese zweifellos in der Offensive. Caligiuri weiß vor allem mit seinen Dribblings auf dem rechten Flügel zu überzeugen. Immer wieder sucht er den direkten Weg zum Tor und setzt seine Mitspieler durch gefährliche Flanken in Szene oder sucht selber den Abschluss. Leider, zumindest aus Wolfsburger Sicht, besitzt Caligiuri diese Qualitäten momentan nur in der Theorie. Im gesamtem Jahr 2016 erzielte er nur zwei Tore und steuerte für seine Verhältnisse magere vier Assists bei.

Jetzt könnte man meinen, wenn es in der Offensive nicht fluppt, dann funktioniert es wenigstens in der Defensive. Dem ist in Caligiuris Fall allerdings nicht so: In der Rückwärtsbewegung offenbaren sich die größten Schwachpunkte im Spiel des Ex-Wolfsburgers. Obwohl er relativ häufig in Zweikämpfe verwickelt ist, und vom Körperbau her durchaus robust daherkommt, kann er lediglich eine Zweikampfquote von 48% vorweisen. Insbesondere in einer Dreier Abwehrreihe, wie bei den Königsblauen, sind auf der offensiven Außenbahn Spieler gefragt, die an beiden Enden des Spielfeldes ihren Beitrag leisten können.

Der 13. Mann

Auf Schalke wird Caligiuri mit Alessandro Schöpf um den Platz im rechten Mittelfeld konkurrieren. Im 3-5-2 System von Markus Weinzierl scheint dabei der Österreicher die besseren Argumente zu haben. Caligiuris Defensivarbeit könnte sich in Schalkes Spielidee – sofern es zurzeit überhaupt eine gibt – als nicht ausreichend herausstellen. Schöpf, sowie auch Kolasinac auf der linken Seite, stechen vor allem in ihrer Arbeit gegen den Ball heraus. Der Neu-Schalker hat hier zweifellos Nachholbedarf, sodass es noch etwas dauern kann, bis er eine echte Bereicherung im Kader der Knappen darstellt.

Auch bei einer Systemumstellung, welche sich momentan allerdings nicht andeutet, bliebe es fraglich, ob sich Caligiuri auf der offensiven Außenbahn gegen die starke Konkurrenz – namentlich Evgen Konoplyanka, Eric Maxim Choupo-Moting und Max Meyer – durchsetzen kann. Alle drei sind jünger und haben im Angriff ein größeres Repertoire an Fähigkeiten zu bieten.

Klar, für 2,5 Millionen Euro einen Spieler mit der Erfahrung von Daniel Caligiuri zu verpflichten, scheint auf den ersten Blick mit wenig Risiko verbunden. Die Sinnhaftigkeit des Wechsels darf allerdings, sowohl aus Spieler- als von Vereinsseiten, hinterfragt werden. Auf Schalke weiß man, was man bekommt und Wolfsburg lässt einen Spieler ziehen, der ihnen wohl kaum fehlen wird. Ob er sich durchsetzen kann bleibt fraglich. Ein Transfer, der keinem wirkliches Kopfzerbrechen bereitet, obwohl dieser – glaubt man dem Protagonisten – vor zehn Tagen noch nicht mehr war, als eine königsblaue Ente.

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