Einen interessanten Transfer nach dem anderen fädelt Rouven Schröder diese Saison beim FSV Mainz 05 ein. René Adler, Alexandru Maxim oder Kenan Kodro sind klangvolle Beispiele von Schröders Einkaufsliste. Der momentan letzte in der Reihe ist Abdou Diallo. Für ihn zahlte Mainz bisher die höchste Ablöse. Doch warum wollte der FSV den 5 Millionen Euro teuren Neuzugang unbedingt? Und warum wollte Diallo unbedingt zu Mainz?

Entwicklungsstandort Deutschland

AS Monaco, französischer Meister 2016/17. Was kann man sich als junger Spieler schöneres vorstellen, als Teil dieses Kaders zu sein? Richtig, auf dem Feld zu stehen und zu spielen. Und genau das durfte Abdou Diallo in der letzten Saison nicht allzu häufig. Das Duo Glik und Jemerson verwehrte ihm den Stammplatz in der Innenverteidigung. Dadurch reichte es für den Kapitän der französischen U-21 Nationalmannschaft nur zu 5 Ligaeinsätzen und einem Auftritt beim 0:3 gegen Leverkusen in der Champions League. Grund genug den Verein zu wechseln. Aber warum ausgerechnet zu Mainz 05? Diese Frage dürften sich auch all die Vereine stellen, die Diallo versuchten mit viel Geld zu sich zu lotsen. Sandro Schwarz schaffte dies mit Engagement. „Er war der einzige Trainer, der mich persönlich in Monaco besucht hat“, so Diallo, der sonst nur Kontakt zu Sportdirektoren hatte. Somit konnte sich von Beginn an ein starkes Vertrauensverhältnis aufbauen. Unterstützend haben dabei mit Sicherheit auch die positiven Erzählungen des Mainzer Jean-Phillipe Gbamin gewirkt. Der war bei längeren Reisen Diallos Zimmerkollege bei der U21-Nationalmannschaft Frankreichs. Und auch der Trainer genau jener U21, riet ihm zu dem Wechsel nach Deutschland. „Deutschland hat den Ruf Talente besser zu machen“, weiß Abdou Diallo und nichts anderes will der Halb-Senegalese auch!

Wie für Sandro Schwarz gemacht

Diallo will spielen und Diallo will sich verbessern. Eigentlich keine außergewöhnlichen Wünsche für einen jungen Profifußballspieler. Doch sie sind ein zentraler Bestandteil der Mentalität des 21-Jährigen. Die neue Sprache, das neue Land, der neue Trainer und seine Spielweise, das alles sind in Diallos Augen keine Probleme, sondern wichtig für die persönliche Entwicklung. Er ist zielstrebig und genau diese Zielstrebigkeit möchte Trainer Sandro Schwarz von seiner gesamten Mannschaft sehen. Der Neuzugang auf der Trainerbank versucht seinem Team die neue Spielidee des Vereins einzuimpfen. Zweikampfschärfe und kollektives Vorwärtsverteidigen stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Der Gegner soll schon in dessen eigener Hälfte attackiert werden. Das passt auch gut zu Abdou Diallos Spielweise. Er zeigt nicht nur eine starke Mentalität, sondern auch physische Präsenz am Boden, wie auch in der Luft. Durch seine hohe Geschwindigkeit und sein intensives Zweikampfverhalten passt er genau in das Anforderungsprofil von Schwarz. Doch die Mainzer wollen keinen reinen Umschaltfußball, wie unter Schmidt spielen. Man möchte flexibel auf den Gegner reagieren können und gegen schwächere Teams über viel Ballbesitz Dominanz ausüben. Grundlegend dafür ist eine saubere, technische Veranlagung. Eine der wohl größten Stärken Diallos. Sein daraus resultierendes, sicheres Aufbauspiel könnten einer der Grundbausteine für Stabilität bei eigenem Ballbesitz sein. Für einen so jungen Innenverteidiger ist er dadurch sehr breit aufgestellt und für jede Situation gewappnet, wie es die Mainzer allgemein gerne sein wollen.

Junger, zu Wilder

Doch wäre Abdou Diallo bereits ein kompletter Verteidiger, hätte er zuletzt mehr Einsatzzeiten bekommen. Sein größtes Manko ist die fehlende Erfahrung und das lässt sich nur durch Spielen verbessern. Dieser Mangel an Praxis wirft ihn gegenüber gleichaltrigen noch oft etwas zurück. Andere 21-Jährige Innenverteidiger wie Christensen, Süle oder Tah sind durch ihre regelmäßigen Einsätze deutlich weiter in ihrer Entwicklung. Die fehlende Erfahrung führt bei Abdou Diallo häufiger zu Übermut und damit vor allem bei eigenem hohem Pressing zu Nachlässigkeiten, zum Beispiel durch zu schnelles Anlaufen. Es können größere Lücken und Raum für Konter oder auch unnötige Fouls entstehen. In Mainz spielt er also in einem System und nach einer Spielidee, die ihm sehr liegen, aber auch seine Schwächen schneller aufdecken. Deshalb wäre sein Partner im defensiven Zentrum wohl auch Stefan Bell, der die Unerfahrenheit Diallos ausgleichen soll.

Viele Konkurrenten, wenig Konkurrenz

Doch wer sagt eigentlich, dass Abdou Diallo auch wirklich einen Stammplatz in Mainz bekommt? Seine Konkurrenten werden sich sicher nicht kampflos geschlagen geben. Stefan Bell scheint gesetzt zu sein. Doch um den Platz neben ihm streiten sich vier Spieler. Nachdem jedoch keiner der drei Konkurrenten Diallos in der letzten Saison überzeugen konnte, hat er aktuell noch die Nase vorn. Alexander Hack ist wohl die größte Gefahr für den französischen Neuzugang, der sein junges Alter, als einen seiner Vorteile bezeichnet. Aber auch Hack ist erst 23 Jahre alt und gehörte in der letzten Saison zu den Top-15 in der Bundesliga, was Zweikampfquoten am Boden und in der Luft angeht. Das Besondere daran ist, dass er dabei fast komplett ohne Fouls spielt. Nicht einmal jedes zweite Spiel wird eine Aktion von Hack vom Schiedsrichter abgepfiffen. Trotzdem konnte auch er zuletzt nicht konstant überzeugen, geschweige denn konstant spielen. Niko Bungert, der Kapitän, erwischte letztes Jahr eine vergleichsweise schlechte Saison und hofft nun unter Schwarz auf eine neue Chance. Balogun wird sich wohl einen neuen Verein suchen müssen, denn auch seine Leistungen waren unter Schmidt allenfalls Durchschnitt. Abdou Diallo hat beste Chancen auf den Platz an der Sonne und erwischt er einen guten Start in die Spielzeit, könnte er der neue Königstransfer der Mainzer werden. Doch wie bei allen jungen Spielern und vor allem Verteidigern, sollte man auch ihm die Zeit zugestehen, die er noch brauchen wird um stabil zu spielen.

Facebook-Kommentare