Im Januar herrscht nach den ganzen Feierlichkeiten rund um Weihnachten und Silvester zumeist eine gedrückte Arbeitsstimmung, in der man lieber mal Arbeit nach Vorschrift, aber ungern darüber hinaus verrichtet. Ganz anders verhält es sich beim neuen Wolfsburger Sportchef Olaf Rebbe. Der Mann legt zusammen mit seinem Team los wie die berühmte Feuerwehr und verpflichtet bereits den vierten Mann in diesem Winter. Nach Yunus Malli, Riechedly Bazoer und Victor Osimhem kommt nun auch Paul-Georges Ntep für geschätzte 5- 8 Mio. aus Rennes. Bei einem Marktwert von ca. 10 Mio. (laut transfermarkt.de) ein echtes Schnäppchen. Macht Olaf Rebbe also nicht nur einen quantitativ, sondern auch einen qualitativ hochwertigen Job?

Rumtreiber

Ntep, der mit kompletten Namen  Paul-Georges Ntep de Madiba  heißt,  spielte in der Jugend in nicht weniger als 5 Teams in Frankreich. Vom namenhaften Ris Orangis Us, über Draveil FC, ES Viry-Chatillon, Linas Montlhery ESA und Bretigny Foot CS schaffte er schließlich den Sprung nach Auxerre, über dessen Zweitvertretung er dann zum Profi wurde. Für eine professionelle Fußballausbildung eine eher ungünstige Situation, was für Nteps Entwicklung aber scheinbar kein Hindernis war. Generell wird Ntep hier und dort auch als Hitzkopf bezeichnet, was vielleicht ein Grund für die vielen Vereinswechsel in den Jugendjahren ist. Grade in der jetzigen, angespannten Wolfsburger Gesamtsituation ist es von Vorteil einen kühlen Kopf zu bewahren. Das gilt aber nicht nur für Ntep, der für die linke Wolfsburger Angriffsseite verpflichtet wurde.

3 Konsonanten, 1 Vokal und jede Menge Speed

Als Außenbahnspieler ist Ntep so, wie ein Außenbahnspieler sein sollte. Sportchef Rebbe sagt über ihn: „Er ist ein klassischer Außenbahnspieler mit besonderen Merkmalen, der unser Offensivspiel bereichern wird. Er ist schnell, stark in Eins-gegen-eins-Situationen, bringt Torgefährlichkeit und hat zudem ein Auge für seine Mitspieler.“
Neuzugänge werden selbstredender Weise immer stark dargestellt, was manchem Spieler schon eine ziemliche Last auf den Rücken gelegt hat. Mit 24 Jahren ist Ntep aber kein Talent mehr, sondern hat durchaus bewiesen, was er kann und Rebbe hat absolut Recht, ihn als „klassischen Außenbahnspieler“ zu bezeichnen. Schnell ist bei dem jungen Franzosen nämlich definitiv zutreffend. Eins-gegen-Eins-Situationen kann er mit seiner Dribbelstärke und Geschwindigkeit auch für sich entscheiden, allerdings ist er dabei deutlich erfolgreicher, wenn er schon mit Speed auf dem Verteidiger zuläuft, als wenn er einmal gestellt ist.
Der Zug zum Tor ist zwar auch da, als wirklich torgefährlich ist Ntep allerdings nicht zu bezeichnen. Typisch für einen Linksaußen ist Nteps starker Fuß der rechte und somit kann er, wie ein Arjen Robben weltberühmt auf rechts, mit Tempo in die Mitte ziehen und entweder direkt selbst abschließen oder den Ball zwischen den Verteidigern hindurch in den Lauf eines startenden Stürmers spielen. Dafür müsste sich Ntep an das Timing von Mario Gomez gewöhnen, der hier wohl das reglementierende Element sein sollte. Apropo Robben: Ntep wird von seiner Spielweise und Art gerne mit dessen Vereinskamerad Franck Ribery verglichen, auch wenn ihm zu dessen Niveau noch mindestens zwei Klassen fehlen.
An der immer wichtiger werdenden Defensivarbeit für Offensivspieler muss der 24 Jährige Franzose mit Kamerunischen Wurzeln auch noch arbeiten. Seine Gedanken bewegen sich oftmals nur in Richtung Angriff, aber da wird VFL Coach Ismael, vormals ja als Innenverteidiger unterwegs, bestimmt sein Augenmerk drauf legen.

Neue Wölfe

Mit Ntep hat Wolfsburg, wie auch schon mit Malli, auf den Draxler Abgang reagiert. Draxler, der sowohl im Zentrum als auch als Linksaußen spielen konnte, wird durch Malli und Ntep ersetzt, die Belastung also auf mehrere Schultern verteilt. Die neue VFL Offensiv-Reihe könnte dann Ntep – Malli – Vierinha/Caliguri/Blaszczykowski heißen, mit Gomez als einziger Spitze. Qualitativ hätte Wolfsburg dann eine Riege guter Vorbereiter und einen exzellenten Strafraumstürmer, was sie sogleich effektiv, aber auch leicht ausrechenbar machen kann.  Bruno Henriques Verbleib in Wolfsburg steht dagegen in den Sternen. Die mögliche Aufstellung macht auch die Dringlichkeit eines Spielers auf Linksaußen sichtbar. Während sich rechts mehrere Möglichkeiten ergeben, leistet sich Ntep auf der linken Seite lediglich mit Brekalo einen Konkurrenzkampf.
Wenn es die beiden aber nicht bringen, könnte Malli wohl auch auf links ausweichen und den Platz in der Mitte für Maxi Arnold oder einen wieder fitten Daniel Didavi freimachen. Malli ist in der Mitte allerdings deutlich effektiver. Insgesamt bietet die Offensiv viele Möglichkeiten und die Wölfe sind somit personell gut aufgestellt, solange Mario Gomez fit ist.

Zurück in die Spur

Letztendlich lässt sich sagen, dass der Transfer von Ntep gut und vor allem für den Preis geschickt war. Hier wurde vernünftig gehandelt und ein Spieler gefunden, der spielerisch den Anspruch erfüllt und dessen auslaufender Vertrag im Sommer eine starke Verhandlungsposition beschert. Ntep muss sich lediglich rasch an die Liga und das schnellere Tempo gewöhnen, um den Wolfsburgern direkt weiter zu helfen. Das wird allerdings sehr schwierig.
Durch die Transfers und die nun längere Eingewöhnungszeit könnte Wolfsburg aber spätestens nächste Saison wieder voll in der Spur sein und nächsten Winter kann Oliver Rebbe den Januar vielleicht auch entspannter angehen.

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